| Geschichte Dölau |
Dölau (Siedlung des Delu, Einzelgehöft des Delu) ist eine alte Slawensiedlung, in der das Slawentum wohl länger vorgeherrscht hat, wenigstens erscheint der Name des Ortes noch 1376 als Delowa. Ein Prozess, der sich im germanisierten Anhalt schon um 1200 nachweisen lässt.
Dölau liegt am linken Saaleufer, kann also nur im 7. Jahrhundert, in der Zeit der höchsten Kraftfülle der Slawen entstanden sein. Der Ort hatte keine speziell für die Slawen passende und erwünschte Lage , er lag nicht am Wasser, wohl aber in einer tieferen Stelle der Hochfläche, so dass man sich leicht mit Wasser versorgen konnte.
Die Kirche wird um 1250 erbaut worden sein, in der Übergangszeit des romanischen in den gotischen Stil.
Hinter dem Altar ist zwar die Jahreszahl 1490 in Stein gehauen, es ist jedoch nicht die Zahl der Erbauung, wohl aber der Erneuerung oder des Umbaus.
Dölau ist das ganze Mittelalter hindurch ein mäßig großes Dorf geblieben. Ein Heidedorf, das wenig von größerem Verkehr profitierte. Um 1370 haben die Patrizier Berlin 1 Hufe und 6 Höfe in Delowe und die Gebrüder Pysker 3 Hufen, 1 Holzung, 2 Weingärten mit 3 Höfen, etwas später ( 1395) wird noch die Einnahme von 1 schmal Schock erwähnt, die Heinrich Greve besitzt.
1550 zählte es 15 Feuerstätten, etwa 75 Einwohner und 50 Jahre später sind es 19 bzw. 95 Einwohner.Die Kirche in Dölau ist dem Heiligen Nicolaus und Antonius geweiht. Der heilige Nicolaus begann um die Mitte des 12. Jahrhunderts große Verehrung in unserer Gegend zu genießen. Es ist der Spezialpatron der Niederländer, die um diese Zeit in den Saalkreis einwanderten.
Dölau zählte 1785 264 Einwohner. Es wohnten in ihm 3 Bauern, 2 Halbspänner, 2 große und 8 kleine Kossaten, 11 Häusler, 20 Einlieger und etwa 100 Bergleute. Die Flur bestand aus 688 Morgen Acker, 15 Morgen Wiesen, 16 Morgen Gärten, 35 Morgen Holzung und 15 Morgen Anger mit Weiden, Obst und Maulbeerbäumen. Man hielt 14 Pferde, 59 Rinder und 450 Schafe.
1885 hatte Dölau 1055 Einwohner. Das machte in 100 Jahren eine Steigerung um 300%, eine Zunahme weit über der Norm, die man im Saalkreis mit etwa 150% ansetzte.
Die Lösung des Rätsels ist die Industrie der Umgebung und die Nähe der Großstadt. Dölau ist ein Arbeiterdorf geworden, vor allem durch seine Ton und Kaolingruben. Aber auch die Industrie der Nachbarorte hatte Teil an dem Wachstum Dölaus.
Bereits lange vor 1736 soll man in Dölau Steinkohle gegraben haben, aber die Verhältnisse lagen für den Steinkohlebergbau noch sehr im Argen. Erst als der Freiherr von Knyphausen 1691 das Privilegium der Bergwerke vom Kurfürst Friedrich III. Erhielt, kam der Bergbau in Schwung. Hier in Dölau schlug man 1736 eine und begann die Sache rationell zu betreiben. Die Hoffnung war aber größer als der Erfolg.
Die Steinkohle selbst war sehr gut, sie hinterließ keine Schlacken, aber das Quantum ihrer Förderung war sehr ungewiss. Sie stand nicht im regelmäßigen Flöz, sondern bloß in Nieren von einigen Zoll bis zu mehreren Lachtern hoch und lang im blauen Schieferton. So gestaltete sich der Bergbau der Zeche Anna beschwerlich und kostspielig. 1795 hatte das Werk 1 Ober und 2 Fahrsteiger, 1 Kohlemesser und 96 bis 110 Bergleute.
In dem schweren Kriegsjahr 1806 wurde das Bergwerk aufgegeben. Erst am 1. Juni 1852 wurde der Schacht, nun Humboldt genannt, da dieser hochberühmte Mann, ehemals auf einer Durchreise, den Schacht aufgesucht und bestiegen hatte, feierlich in Bergmannsweihe unter Gesang und Gebet eröffnet. Als Zeugen vergangener Zeiten liegen die großen Halden im Norden des Ortes, rechts von dem Feldweg An den Schachthalden, schwarz, kahl in den Feldern. So hat der erste und alte Industriezweig Dölaus ein trauriges Ende gefunden.
Dölau war eine bequeme Bahnstation, die Arbeiter konnten tagsüber in Halle arbeiten und fuhren abends zurück. Aber die Halle Hettstedter Bahn die um 1890 gebaut wurde, brachte noch einen ganz anderen Vorteil für Dölau. Die bequeme Verbindung zur Großstadt und die äußerst günstige Lage des Ortes am Waldrand entstanden großstädtische Villenkolonien die sich zwischen Alt Dölau und der Heide erheben.
Solch Wachstum Dölaus setzte großstädtische Forderungen durch. So entstanden Kanalisation, eigene Wasserleitung und eine eigene Gasanstalt.
Quelle: Schultze-Galléra "Wanderung durch den Saalkreis"